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4. Diskussion

4.1 Prinzipielle Unterschiede

Abb.16
Abb.17

Die in Abschnitt 3.1 diskutierten Systeme haben gemeinsam, dass sich das Maximum der Schallenergiedichte in einiger Entfernung vom Entstehungsort des Druckpulses befindet. Dies bedeutet, dass am Eintrittsort der Welle in den Körper eine geringere Energieflussdichte vorliegt als am Wirkort, der sich einige Zentimeter unter der Hautoberfläche befinden kann. Physikalisch betrachtet handelt es sich um konvergente Schallfelder ( Abbildung 16 ), deren Ort maximaler Energieflussdichte als Fokus bezeichnet wird. Die Wellenlänge (< 1cm) der erzeugten Druckpulse muss hierbei deutlich kleiner als der Durchmesser der Druckpulsquelle (~15cm) sein. Dies ist die physikalische notwendige Voraussetzung für die Fokussierung.

Im Gegensatz dazu ergibt bei dem Druckpulssystem eine Wellenlänge von ca. 40cm, welche deutlich größer ist als der Durchmesser der Druckpulsquelle (~2cm), physikalisch zwangsläufig eine divergente, nicht fokussierbare, Wellenausbreitung. Dies erkennt man deutlich bei dem in Abschnitt 3.2 beschrieben System.

Dieses erreicht die größte Energieflussdichte an der Druckpulsquelle, d.h. der Spitze des Applikators. Vom Applikator ausgehend breiten sich die Druckpulse radial mit abnehmender Energieflussdichte aus (proportional 1/r 2 , siehe Abbildung 17 ). Aufgrund des divergenten Schallfeldes wird die größte Wirkung an der Hautoberfläche erreicht und nimmt mit zunehmender Gewebetiefe ab. Aus physikalischer Sicht handelt es sich hierbei um unfokussierte Systeme, da die Schallausbreitung divergent erfolgt.

Ein Fokus liegt nur dann vor, wenn Wellen gebündelt werden und aus dieser Konvergenz ein Ort maximaler Energieflussdichte resultiert.

4.2 Technische Unterschiede

In der Praxis ergeben sich die im Folgenden dargestellten technischen Unterschiede:

  Stoßwellen
(f-ESWT)
Druckwellen
(r-ESWT)
Unterschied

Fokus

ja

nein

 
Ausbreitung nicht-linear linear  
Aufsteilung ja nein  
Anstiegszeiten 0,02 - 0,1 ?s * typisch 50 ?s ca. 1:1000
Kompressionspulsdauer ca. 0,3 ?s ca. 200 -2000 ?s ca. 1:1000
positiver Spitzendruck 0-100 MPa 0-10 MPa 10:1 - 100:1

Energieflussdichte

0-3 mJ/mm2

0-0,3 mJ/mm2

ca. 10:1

Stoß- und Druckwellen unterscheiden sich nicht nur in ihrer physikalischen Charakteristik und der Erzeugungstechnik sondern auch in der Größenordnung der üblicherweise verwendeten Parameter. Bei den wichtigsten hier aufgeführten Parametern betragen die Unterschiede ca. 1-3 Größenordnungen.

5. Zusammenfassung

Es soll auf jeden Fall vermieden werden hier eine Wertung der verschiedenen Stoßwellenformen abzugeben. Es wurde sich allgemein auf den Begriff der Stoßwellentherapie geeinigt. Dass es gewisse Unterschiede gibt ist bekannt, und wird in den wissenschaftlichen Publikationen bisher und in der Zukunft noch erörtert. Folgend der Literatur lässt sich dann der jeweils „richtige“ Stoßwellenapplikator für die zu behandelnde Indikation finden und wählen.

Es erscheint insgesamt wichtig, dass wir miteinander und mit unseren Patienten klar über unser angewandtes Verfahren zur Stoßwellentherapie bei den verschiedenen Indikationen sprechen und unsere Gründe dafür offenlegen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass in der Dokumentation der Therapie die Stoßwellenquelle neben den weiteren Behandlungsparametern immer aufgeführt wird.